Statement ISD-Nürnberg

Wenn im sichersten Bundesland Schwarze Menschen erstochen werden

Erst Anfang der Woche veröffentlichte die CSU mit Stolz die Statistiken zu den sichersten Städten in Deutschland. Auf Platz eins: München, auf Platz zwei: Augsburg und auf Platz drei: Nürnberg – allesamt bayerische Städte. Ein perfektes Bild.

Kurze Zeit später ersticht eine 19-Jährige aus Nürnberg einen 15-jährigen Jugendlichen. Der 15-Jährige war Schwarz, wurde rassistisch beleidigt und ist nun tot. Wie sicher ist ein Bundesland, wenn Eltern Angst haben müssen, dass ihr Kind nicht mehr nach Hause kommt? (Paul Arzten, Nürnberger Stadtrat).
Solche rassistischen Taten gegenüber Schwarzen Menschen sind längst keine Ausnahmen mehr, sie werden zur Regel.

Zuletzt im Mai am Nürnberger Plärrer, einem der zentralen Verkehrsknotenpunkte in der Nürnberger Innenstadt. Diesmal am helllichten Tag: Zuerst ein Blick, dann ein rassistischer Spruch gegen Ausländer – anschließend vier Messerstiche in den Körper eines jungen Schwarzen Mannes. Skrupellos war auch diese Tat: Der Täter fuhr zunächst mit dem Fahrrad an der Schwarzen Person vorbei, kehrte dann um, zog ein Messer und stach auf den Schwarzen Mann ein.

Ohne die Zivilcourage der Menschen – ohne zwei Frauen, die Erste Hilfe geleistet und den Notruf alarmiert haben – wäre auch diese Person gestorben.

Schwarze Menschen werden zunehmend Opfer von Gewaltsituationen, entmenschlicht und wie Tiere abgeschlachtet. Die Taten in Nürnberg und die am Brombacher See zeigen, dass die Gewalttaten gezielt darauf abzielen, Schwarze Menschen zu töten, so Vanessa Omoigui. Anders lässt sich nicht erklären, wie eine 19-jährige Frau mit einem Messer einem Jungen in den Hals sticht oder wie ein Mann auf einem Fahrrad viermal auf einen jungen Schwarzen Mann einsticht. Eine Verrohung der bayerischen Gesellschaft, die längst die Stufen der (körperlichen) Auseinandersetzung überschreitet.

Es ist verheerend, wie der bayerische Journalismus, die Staatsregierung und die Justiz es immer wieder schaffen, diese Taten nicht in einen rassistischen Kontext zu setzen. Wir als Initiative Schwarze Menschen in Deutschland – Nürnberg (ISD-Nürnberg) fordern, dass durch das Bundesland Bayern, die Polizei und die Staatsregierung anti-Schwarzen Rassismus offen angesprochen und thematisiert wird – und dass Handlungskonzepte zur Bekämpfung schleunigstentwickelt und umgesetzt werden (Akim Gubara). Denn das Ziel muss sein, dass auch Schwarze Menschen sicher sein können – vor allem im sichersten der sicheren Bundesländer: Bayern.