

Nelson, ein lebensfroher 15-Jähriger wird am 01.08 tot in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Ottweiler im Saarland aufgefunden. Nach der bisherigen offiziellen Darstellung habe er sich„das Leben genommen“. Wir bezweifeln das.
Mehrere Mitinhaftierte berichten übereinstimmend, dass Nelson kurz vor seinem Tod von Beamt*innen der JVA mehrfach getreten, geschlagen und rassistisch beleidigt wurde. Wenig später war er tot. Die Staatsanwaltschaft erklärte laut dpa, die Obduktion habe „keine Hinweise auf Fremdeinwirkung“ und „keine äußeren Verletzungszeichen“ ergeben. Doch die Zeugenaussagen widersprechen dieser Darstellung klar. Am 2. August, nur einen Tag nach seinem Tod, protestierten Inhaftierte in Solidarität mit Nelson – und wurden nicht gehört, sondern sanktioniert und in andere Anstalten verlegt. Das ist kein Zufall, sondern ein bekanntes Muster staatlicher Repression: Zeug*innen einschüchtern, Widerstand brechen, Wahrheit verschließen.
Wenn ein Kind wie Nelson aus dem Leben gerissen wird, verlieren wir nicht nur einen weiteren Betroffenen durch Gewalt. Wir verlieren einen Sohn, einen Freund, einen Klassenkameraden, ein Teammitglied, wir verlieren Träume, Zukunft, Hoffnung. Nelson ist mehr als das, was man ihm angetan hat. Seine Freunde sagen, er habe viele Pläne für sein Leben gehabt. Dieses System hat ihm jede Möglichkeit genommen, sie zu verwirklichen.
Nelsons Tod ist kein „tragischer Einzelfall“. Er ist das Produkt eines Justizsystems, das nicht schützt, sondern gezielt entmenschlicht und kriminalisiert. Ein System, das Gewalt nicht nur zulässt, sondern strukturell verankert und fortführt.
Die Familie berichtet, sie habe Nelson bei der Autopsie kaum wiedererkannt – er sei entstellt gewesen. Nach öffentlichem Druck leitete die Staatsanwaltschaft ein Verfahren gegen JVA-Beamt*innen ein: Verdacht auf Körperverletzung im Amt mit Todesfolge. Das ist keine Ausnahme, sondern Teil einer langen Kontinuität staatlicher Gewalt und Vertuschung – von Oury Jalloh, der 2005 gefesselt in einer Dessauer Zelle verbrannte, wie auch RoobleWarsame, der 2019 tot aus Polizeigewahrsam in Schweinfurt kam. Immer dieselben Muster: rassistische Gewalt, sofortige Schutzbehauptungen, Verschleierung, Blockade.
Wir fordern deshalb:
– Sofortige Suspendierung und strafrechtliche Verfolgung der beschuldigten Beamt*innen
– Sofortige Freilassung aller Minderjährigen aus dem Strafvollzug
– Ende der Kriminalisierung von Armut und Ausbau solidarischer, sozialer Unterstützungssysteme
– Finanzierung und Stärkung migrantischer Selbstorganisierung und Schutzräume
– Abschaffung aller Formen rassistischer Gewalt in Polizei, Gefängnissen und Justiz – durch strukturelle Veränderungen, nicht durch Reformversprechen
Unsere Solidarität gilt allen Initiativen und Organisationen, die Nelson gedenken, die Aufklärung seines Todes fordern und vorantreiben. Vor allem aber sind unsere Gedanken bei seiner Familie und den Angehörigen. Es geht jetzt darum, Nelson nicht wie einen flüchtigen Schatten an uns vorbeiziehen zu lassen. Es geht darum, bei ihm zu bleiben, seiner Familie beizustehen, die Menschen und Strukturen vor Ort zu unterstützen, die Wahrheit ans Licht zu bringen. Es geht darum, Nelson als Menschen zu erinnern – nicht als Zahl einer Statistik, nicht als anonyme Randnotiz im Archiv der Ungerechtigkeiten. Wir dürfen nicht vergessen, dass dieses System – Polizei, Gefängnis, die Institutionen, die uns „schützen“ sollen – nicht gerecht ist. Es geht darum, gemeinsam für eine Gesellschaft zu arbeiten, in der solche Tode nicht mehr möglich sind.
Justice for Nelson!
Vorstand
Initiative Schwarze Menschen in Deutschland – Nürnberg (ISD Nürnberg) e.V.
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